Zentrum Fenix / Sanski Most / Bosnien-Herzegowina

Für die Menschen in Bosnien-Herzegowina sind die Folgen des Krieges auch über zehn Jahre nach dem Ende der Kampfhandlungen noch spürbar. Seelische Verletzungen und Leid durch zerstörte Familien sind geblieben, soziale Zusammenhänge oft zerstört, weil Verwandte geflüchtet sind und jetzt über die ganze Welt verstreut leben. Zurückgeblieben sind vor allem alte, arme, kranke und pflegebedürftige Menschen, meist ohne Angehörige – in einer Gesellschaft, in der familiäre Selbsthilfe einst die wichtigste Säule sozialer Absicherung war.
Unterstützung nach der Rückkehr
Anfang der 1990er Jahre stand Bosnien-Herzegowina wegen des dortigen Krieges im Mittelpunkt öffentlicher und politischer Aufmerksamkeit. Bürgerkriegsflüchtlinge fanden auch in Bremen Unterkunft. „Wir haben etwa 40 Leute aus dem serbisch besetzten Teil Bosniens aufgenommen“, erinnert sich Urban Bulling Vorstandsmitglied der Stiftung die schwelle an die damalige Unterstützungsaktion. Neben dem Ehepaar Bulling nahmen eine Reihe von Bremer Bürgerinnen und Bürger und viele Kirchengemeinden Flüchtlinge auf, anfangs auch ohne staatliche Hilfe für diese Aktion. 1995 bei Kriegsende kehrten die Flüchtlinge zurück: In ein Land, in dem fast keine Volksgruppe mehr dort lebte, wo sie vorher ansässig war.
Sanski Most mit seinen 50.000 Einwohnern liegt im Nordwesten Bosniens, der ärmsten Region des geschundenen Landes. „Die Wirtschaft ist zusammengebrochen, wer kann, geht weg“, berichtet Urban Bulling. „Neue Unternehmen siedeln sich in diesem Landesteil nicht mehr an, es herrscht Perspektivlosigkeit.“ Mit Spendengeldern kaufte die schwelle Grundstücke in Sanski Most, wo die Bremer Flüchtlinge eine neue Heimat fanden. 80 Kilometer ist dieser Ort von ihrem ursprünglichen Wohnort Orahova entfernt, doch die Grenze zwischen der Republica Srpska, der Serbischen Republik, und dem muslimischen Teil Bosniens war damals für sie nicht zu überqueren. „Ein Chaos: Nur Ruinen“, erinnert sich Claus Bulling an seine erste Reise dorthin.

Umfangreiches Hilfsangebot aufgebaut
So entsteht der Kontakt zum bosnischen Verein „Fenix“, den aus Deutschland zurückgekehrte Flüchtlinge gegründet haben. „Die haben sich um die dringendsten Probleme gekümmert, zum Beispiel um die Beratung und Betreuung Schwangerer und junger Mütter in einem Gebiet, in dem es keine medizinische Versorgung gab. Auch eine Armenküche, insbesondere für die vielen älteren Menschen ohne Angehörige, haben sie aufgebaut“, erzählen Claus und Urban Bulling. Mit jährlich 30.000 Euro unterstützt die schwelle die Küche, die täglich etwa 100 Essen ausgibt. Sie ist ein Teilprojekt der Sozialstation, die der bosnische Partnerverein Fenix in Sanski Most betreibt. Neben der Armenküche gehören ein Waschsalon, ein Altenbad, eine kleine Ambulanz mit Apotheke und ein Notfonds für kleine Alltagshilfen vom Busticket für die Fahrt in die nächstgrößere Stadt, bis zur Brennholzlieferung für den Winter zum Angebot des Sozialzentrums von Fenix. Auch ein Kindergarten und ein Gartenbetrieb zur Stärkung der Selbstversorgung mit Lebensmitteln sind dem Zentrum angeschlossen. „Für alte und pflegebedürftige Menschen in den Außendörfern bietet die Küche auch ein Essen auf Rädern an, für diese Menschen eine lebenswichtige Versorgung. Sie leben meist ohne jedes Einkommen in schrecklichen Verhältnissen, die man sich bei uns nicht vorstellen kann: Keine Heizung, keine medizinisch-pflegerische Versorgung – nichts, und die Angehörigen sind irgendwo im Ausland“, berichtet Claus Bulling. So hat Fenix eine Krankenschwester eingestellt, die über die Dörfer fährt, und im Oktober 2008 ein Altenheim mit 24 Plätzen eröffnet.

Sozialzentrum als Hoffnungszeichen
Fenix setzt mit dem Sozialzentrum ein Hoffungszeichen vor allem für die einsamen, verarmten und kranken Menschen, das ihnen das Leben erleichtert, sie versorgt und pflegt. Der Verein arbeitet unabhängig von ethnischer und religiöser Zugehörigkeit der Versorgten: Bosnischen Muslimen wird ebenso geholfen, wie katholischen Kroaten oder orthodoxen Serben. „Unser Ziel ist es, das Zusammenleben aller drei Bevölkerungsgruppen dort wieder so reibungslos zu gestalten, wie in der Zeit vor dem Krieg“, betont Claus Bulling. Zusammen mit der Unterstützung eines Medikamentenfonds, des Fonds für akute Notlagen etwa für Feuerung, Fahrkarten oder Schulbücher und der Finanzierung der Krankenschwester engagiert sich die schwelle in Sanski Most mit insgesamt 50.000 Euro jährlich. „Ein- bis zweimal im Jahr fahren wir hin, informieren uns über die aktuelle Arbeit und prüfen die Finanzen und Rechenschaftsberichte des Projektes.“
BEK Forum/ Matthias Dembski



