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Ausstellung, Jugendbegegnung und ein Schulbus

Für Projekte, die vom Kuratorium der Stiftung in inhaltlicher und geographischer Nähe zu unseren eigenen Projekten bewertet wurden, gab die Stiftung die schwelle 27.500 Euro in 2010 aus.

Ausstellung: Genozid an sowjetischen Kriegsgefangenen
Der Ruf der Kriegswirtschaft nach mehr Zwangsarbeitern rettete viele sowjetische Kriegsgefangene vor dem sofortigen Erschießen. Bei der folgenden Schwerstarbeit in der Rüstungsindustrie, in Steinbrüchen und im Bergbau starben  aber weitere 1,3 Millionen Menschen. Die wenigen Überlebenden wurden nach ihrer Rückkehr in die Heimat als "Vaterlandsverräter" beschimpft und diskriminiert, ein Drittel wurde zu Zwangsarbeit im Gulag verurteilt. 20.000 ehemalige sowjetische Kriegsgefangene erhielten nach ihrem Antrag auf Zwangsarbeiterentschädigung eine Ablehnung der dafür zuständigen Stiftung mit der Begründung "Kriegsgefangenschaft begründet keine Leistungsberechtigung". Der Fotograf Lars Nickel besuchte in Wolgograd und Armenien ehemalige Kriegsgefangene. Die Portraits und Zitate aus ihren Erinnerungen sind die Grundlage einer Ausstellung.

Die Stiftung die schwelle finanzierte die erste Station der Wanderausstellung in Bremen des Vereins Kontakte-Kontakty mit.

Srbuhi und Suren Sakarjan (rechts im Bild), Armenien 2007. Suren befand sich in deutscher Kriegsgefangenschaft:
"Bislang ist es mir nie gelungen, mich von der schweren Erinnerung an meine Lagererlebnisse zu befreien. Sie verfolgen mich fast jeden Tag und lassen mir keine Ruhe. Sogar im Traum kommen häufig die Bilder meiner Kriegsgefangenschaft vor die Augen, so dass ich danach nicht mehr schlafen kann."

Jugendbegegnung in Russland
Am 23. Oktober 2010 begann für 33 Schülerinnen und Schüler sowie drei Betreuer der Freien Waldorfschule Bremen Touler Straße eine erlebnisreiche Reise mit einer 36-stündigen Zugfahrt nach Moskau. Nach zwei eindrucksvollen und sehr anstrengenden Tagen in der Weltstadt ging es mit dem Bus in die 200 km südlich Moskaus gelegene russische Universitätsstadt Tula. Dort fand die Jugendbegegnung unter dem Thema „Erinnerung teilen – Gegenwart erleben – Zukunft bejahen“ mit Schülern und jungen Studenten statt. Die Bremer Schüler waren z.T. in russischen Familien untergebracht und bekamen so einen direkten Einblick in das Leben ihrer russischen Altersgenossen. Nach einem dicht gedrängten Gesprächs-, Besuchs- und Besichtigungsprogramm flog die Gruppe am 31. Oktober von Moskau aus zurück. Die Auswertung des Erlebten zusammen mit dem in der vorherigen Geschichtsunterrichts Erarbeiteten wurde künstlerisch umgesetzt, in Form von Rauminstallation, Videos, Film, Fotos und Protokollen und am 3. November 2010 Eltern und Gästen in der Schule gezeigt. Die verschiedenen Darstellungen zeigten, dass die Reise einen tiefen, sicher lange andauernden Eindruck bei den Schülerinnen und Schülern hinterlassen hat.

die schwelle hat diese Begegnung mit einem Zuschuss unterstützt.

Opfer der NS-Militärjustiz
1990 wurde die Bundesvereinigung „Opfer der NS-Militärjustiz“ u.a. vom Bremer Ludwig Baumann als Zusammenschluss von Betroffenen gegründet. Nach dem Krieg wurden viele von der NS-Militärjustiz verurteilte als Feiglinge, Kriminelle und Verräter diffamiert. Erst 1998 wurde die rechtliche Rehabilitierung der Kriegsdienstverweigerer und „Wehrkraftzersetzer“ erreicht, im Jahr 2002 die pauschale Rehabilitierung der Wehrmachtdeserteure und erst im September 2009 auch die der wegen „Kriegsverrat“ verurteilten. Die Bundesvereinigung setzt sich weiter dafür ein, dass der Unrechtscharakter der Wehrmachtsjustiz wissenschaftlich aufgearbeitet wird, dass der Kampf für Rehabilitierung dokumentiert und archiviert wird. Sie fordern ein würdiges Gedenken der Opfer der Militärjustiz im Rahmen staatlicher Erinnerungskultur und sie beraten und informieren noch lebende NS-Opfer und deren Angehörige.

die schwelle unterstützte den ehrenamtlich arbeitenden Verband mit einer Strukturförderung.

Geo-Caching mit dem Rosenak-Haus
Bremer Jugendliche und junge Erwachsene haben von April bis August des Jahres 2010 mit Unterstützung des Rosenak-Hauses und der Stiftung die schwelle durch die Methode des Geocaching, die verborgene Geschichte der Juden in Bremen innovativ und nachhaltig im Stadtgebiet kenntlich und anderen zugänglich gemacht. Geocaching ist eine neu aufkommende weltweite Bewegung, bei der mit GPS-Geräten nach Verstecken (Caches) gesucht wird, die an einer beliebigen Koordinate auf der Erde verborgen sind. Im Bremer Innenstadtbereich liegen rund 50 Geocaches, die sich häufig mit der Bremer Handels- und Stadtgeschichte beschäftigen. Ziel des Projektes war es, die über 200-jährige jüdische Geschichte mit Hilfe von Geocaching in die Stadtgeschichte einzuschreiben. Das Projekt wurde nacheinander mit drei Schul- und Ausbildungsgruppen durchgeführt und es entstanden drei virtuelle Stadtrundgänge. Zwei Caches wurden im Stadtteil Walle erarbeitet und ein Geocache entstand in Bremens Mitte. Dieser Rundgang führt vom Hauptbahnhof über das Finanzamt und der Violenstraße zum Gedenkstein in der Dechanatstraße und schließlich zum Rosenak-Haus.

Friedensoase
In Neve Shalom/Wahat al Salam, 30 Minuten von Jerusalem entfernt, leben jüdische und arabische Bürger Israels aus eigenem Antrieb zusammen. Sie unterhalten die einzige zweisprachige Schule des Landes, in der Kindern aus dem Dorf und der Umgebung Zugang zu beiden Kulturen und deren Wertschätzung vermittelt wird. Trotz der im Land aufgeheizten und zfür das Miteinander beider Volksgruppen so negativen Stimmung, gibt es großes Interesse jüdischer und arabischer Familien, ihre Kinder gemeinsam unterrichten zu lassen. Leider konnte die Schule nicht alle von ihnen aufnehmen, da die Beförderung der 220 Kinder aus 25 Orten im Zentrum Israels zu teuer kommt.

die schwelle hat einen Zuschuss für den Erwerb eines neuen Schulbusses gegeben.

Internationale Konferenz bei Church and Peace
Knapp 60 Personen aus ganz Europa haben an der Church and Peace-Konferenz 2010 vom 4. bis 6. Juni im Tagungszentrum auf dem Bienenberg in der Schweiz teilgenommen. Erstmals sind für diejenigen, die am Freitag früh anreisen konnten, zu folgenden Themen Gespräche in Fachgruppen organisiert worden: die Entwicklung in (Friedens-)Gemeinschaften, die Arbeit der Christian Peacemaker Teams (CPT) und eine erste Bewertung des zweiten Entwurfs für eine Erklärung zum Gerechten Frieden auf dem Weg zur Internationalen Ökumenischen Friedenskonvokation in Kingston, Jamaika im Mai 2011 am Ende der Dekade zur Überwindung von Gewalt.

Mit Albert Meyer war einer der wenigen noch lebenden Zeugen der Puidoux- Konferenzen in den 50er Jahren mit seiner Familie aus den USA gekommen. Voller Lebendigkeit berichtete er über diese Pionierzeit in der Geschichte von Church andw Peace, an der er damals teilnahm, während er als Zivildienstleistender in den Sozialprojekten der Mennoniten in Frankreich mitarbeitete.

Zum Konferenz-Thema "Kirchen und Basisbewegungen angesichts der Sicherheits- und Verteidigungspolitik der Europäischen Union" standen uns mehrere ExpertInnen aus Brüssel zur Verfügung, deren Aufgabe dort die Präsenz der Kirchen bei den europäischen Institutionen ist.

The Oxford International Encyclopedia of Peace
Schon 2008 gaben wir eine Unterstützung für „The Oxford International Encyclopedia of Peace: Global Conflict, Transformation, and Nonviolent Change”, ein vierbändiges Lexikon, das nun erschienen ist. Der Herausgeber Nigel Young, emeritierter Professor für Soziologie und Friedensforschung, hat viele Jahre Materialien zusammengetragen um in über 1000 Einträgen alle Aspekte von „peacemaking“ und „peacekeeping“ weltweit aufzuzeigen. Dabei ist ein Nachschlagewerk herausgekommen, das sowohl aktuell politisch orientiert, als auch die historischen Hintergründe aufzeigt.