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Junge Aktivisten für Toleranz, Versöhnung und friedliche Konfliktlösung

Im Jahr 2008 setzten die palästinensischen und israelischen Teilnehmer des Projekts ihren erfolgreich begonnenen Dialog auf nationaler und transnationaler Ebene fort. Eines der Ergebnisse dieser Treffen war, dass die beiden Gruppen für die jeweils andere Gruppe eine Informationsreise in ihr Heimatland organisierten. Dabei wurden sie durch die Mitarbeiter von Al Tariq beraten und tatkräftig unterstützt. Die palästinensischen Teilnehmer organisierten eine Reise in die Ramallah-Region, die den israelischen Teilnehmern einen Einblick in den Alltag der Palästinenser ermöglichte. Die Teilnehmer besuchten das Flüchtlingslager Al-Amari und sahen zahlreiche Checkpoints der israelischen Armee. Sie besichtigten den Sitz der palästinensischen Autonomiebehörde Mukata, das Grab Arafats sowie die Stadt Ramallah und aßen im Dorf Abu Sheikdem bei einer palästinensischen Familie zu Mittag.

Zwei Monate später organisierte die israelische Gruppe einen zweitägigen Besuch in Tel Aviv, bei dem die palästinensischen Teilnehmer etwas über das Leben in Tel Aviv erfahren sollten. Hierfür beantragte Al Tariq über die Bat-Chen-Association die entsprechenden Genehmigungen, doch erst nach vielen Diskussionen und Interventionen durften schließlich vier der fünf palästinensischen Teilnehmer einreisen. Dies machte allen Beteiligten deutlich, dass die israelischen Behörden nicht daran interessiert sind, den Dialog zu unterstützen. Zunächst trafen sich die beiden Gruppen an der Universität Tel Aviv, besuchten dann das Jewish-Diaspora-Museum und nahmen schließlich an einer geführten Stadtrundfahrt teil, die am Meer endete. Abends nahmen die Teilnehmer die Sabbatmahlzeit bei einem der Teilnehmer zusammen mit seiner Familie und seinen Freunden ein. Am nächsten Tag trafen wir uns mit Vertretern von „Etgar”, einer sozial-politischen Bewegung junger israelischer Araber und Juden, die sich gegen soziale Ungerechtigkeiten gegenüber Israelis, Palästinensern, ausländischen Arbeitern, Frauen und anderen Minderheiten in Israel engagieren. Mit ihnen fuhren wir weiter nach Jaffa, wo uns Asma Zagrabah, der Sprecher der Gruppe, die Stadt zeigte und erklärte.

Al Tariq wählte von jeder Gruppe zwei Teilnehmer aus, welche die Sommerakademie 2008 leiten sollten; leider war es aufgrund der anhaltenden Universitäts-Streiks in Israel nur einem der Teilnehmer von 2007 möglich, bei der Gruppe dabei zu sein, weshalb der junge Friedensaktivist Guy Elhanan zu den anderen drei dazustieß. Die Teilnehmer der Sommerakademie wurden dieses Mal von den letztjährigen Teilnehmern ausgesucht und vorbereitet. Hier standen ihnen die Mitarbeiter von Al Tariq als Supervisoren und Unterstützer zur Seite

Im August trafen sich die israelischen und palästinensischen Teilnehmer der Wings-of-Hope- Sommerakademie 2008 zunächst in Al-Ram, wo sie in einem Tagesworkshop die anderen Teilnehmer kennenlernten und sich mit ihnen über ihre Beweggründe austauschten, bei dem Projekt dabei zu sein.

Wie schon im Vorjahr mussten die Teilnehmer von unterschiedlichen Flughäfen aus fliegen. Die Israelis hatten am 11.8. einen Direktflug von Tel Aviv nach München, die Palästinenser mussten am 10.8. zunächst die Allenby-Brücke nach Jordanien überqueren, um von Amman aus am nächsten Tag nach München zu fliegen. Aufgrund eines Fehlers des Reisebüros konnten die Teilnehmer jedoch nicht mit dem gebuchten Flug fliegen. Erst nach einem langen, spannungsreichen Tag konnten sie endlich nach München einchecken. Die schwierige und anstrengende Reise hatte zur Folge, dass sich die palästinensische Gruppe zunächst isolierte und weitgehend unter sich blieb. Unser Team und die anderen Gruppenleiter waren sich dessen bewusst; wir unterstützten die palästinensischen Teilnehmer, indem wir ihnen zu verstehen gaben, dass wir ihre Gefühle verstanden und über ihre Anwesenheit sehr froh waren. Was außerdem half, die palästinensische Gruppe zu integrieren, war, dass die meisten irakischen Teilnehmer kein Englisch sprachen. So kam den Palästinensern eine wichtige Vermittlerrolle als Dolmetscher zwischen den unterschiedlichen Gruppen zu. Die Sommerakademie 2008 war ein großer Erfolg. Wir alle haben viel über das Leben und die Erfahrungen der Anderen gelernt, die ebenfalls in Konfliktregionen leben und an Frieden und Versöhnung glauben. Dies hat die Teilnehmer ermutigt, weiter an diesem Projekt mitzuarbeiten und hat so den Kreis derer erweitert, die sich für Frieden und Versöhnung einsetzen.

Nach der Rückkehr aus Deutschland trafen sich die israelischen und arabischen Teilnehmer von 2007 und 2008 nach Beendigung des Ramadans Mitte Oktober erneut in Al-Ram. Im Dezember und Januar diskutierten die Gruppen auf nationaler Ebene darüber, wie das Projekt 2009 weitergehen soll. Mit großem Ernst und Engagement dachten die Teilnehmer über gesellschaftliche Brückenprojekte nach und überlegten, wie sie den Kreis der Menschen erweitern können, die sich für Veränderung einsetzen.

Lotty Camerman, Al Tariq
Übersetzung: Odile Kennel