Freiwilligenausbildung in der Beratungsstelle BBMeZ

Hilfe für ein neues Leben
Für Frauen und Mädchen, die Opfer von Menschenhandel geworden sind und/ oder zur Prostitution gezwungen wurden, gibt es in Bremen seit 2002 die Beratungsstelle BBMeZ (Betreuung für Betroffene von Menschenhandel und Zwangsprostitution).Die meist aus dem Ausland – vor allem aus Osteuropa – stammenden Frauen haben traumatische Erlebnisse hinter sich und sind psychisch stark belastet. Ob sie sich nur kurz hier aufhalten und wieder ins Heimatland zurückkehren wollen oder ob sie sich als Zeuginnen in einem Gerichtsprozess länger in Bremen aufhalten, aus Gefährdungsgründen nicht ins Heimatland zurückkehren können oder eine längerfristige psychiatrische Behandlung benötigen, die Mitarbeiterinnen von BBMeZ beraten sie individuell mit Hilfe von Dolmetscherinnen. Die Unterstützung durch die Beratungsstelle beginnt bei der Akutversorgung mit Lebensmitteln, Unterbringung und ärztlicher Versorgung über die Regelung aufenthalts- und unterhaltsrechtlicher Angelegenheiten sowie Begleitung zu Rechtsanwältinnen, Polizei und Gericht und Vermittlung von Deutschkursen, bis hin zur Begleitung bei Schwangerschaftsabbrüchen und Geburten, Kinderunterbringung, Arbeitssuche u.v.m.
Die noch sehr jungen Frauen aus sehr armen, ländlichen Gegenden und mit meistens nur wenig Schulbildung benötigen aber viel mehr. Sie befinden sich in einer fremden Kultur, oft ohne Sprachkenntnisse, ohne familiäre Unterstützung, isoliert und in finanziell und räumlich beengten Verhältnissen. Sie brauchen kontinuierliche persönliche Zuwendung, um aus Heimweh und Einsamkeit herauszukommen, neuen Lebensmut zu entwickeln und ihre schrecklichen Erlebnisse verarbeiten zu können. Da dies in dem zeitlichen Budget von nur einer halben Stelle durch die Beratungsstelle nicht geleistet werden kann, entstand die Projektidee, interessierte Frauen für ein freiwilliges soziales Engagement zu gewinnen, die durch praktische Unterstützung im Alltag die Lebensverhältnisse der betroffenen Frauen verbessern, ihr Selbstwertgefühl stärken und ihnen dadurch helfen können, neue Lebensperspektiven zu entwickeln. Dafür konnte die Unterstützung der schwelle gewonnen werden.
Die Durchführung des Projekts beinhaltete folgende Schritte: In einem ersten Schritt wurden mehrere Profile für die Gewinnung freiwillig engagierter Frauen entwickelt, um Frauen mit unterschiedlichen Interessen und Fähigkeiten anzusprechen. Dies wurde auf dem Internetportal der Inneren Mission und bei der Freiwilligenagentur veröffentlicht. Darauf meldeten sich bisher sechs Frauen.
Als Grundlage für die Erstgespräche wurde ein Leitfaden erstellt, um die Eignung der Interessierten festzustellen, denn die Arbeit mit den meist traumatisierten Opfern erfordert von allen Beteiligten, auch von den freiwillig Engagierten, psychische Belastbarkeit und Stabilität, Verschwiegenheit und Verlässlichkeit. Der Leitfaden beinhaltet auch Fragen nach Berührungsängsten mit dem Thema Prostitution und Vermeidung von Gefährdungssituationen und gibt kurze Hintergrundinformationen zu Zwangsprostitution und typischen Verhaltensweisen traumatisierter Frauen.
Nach einem ausführlichen Erstgespräch entschieden sich fünf Frauen für die freiwillige Mitarbeit. Es wurde eine Schnupperphase vereinbart. Zwei Frauen entschieden sich aus zeitlichen Gründen zu einer Mitarbeit bei besonderem Bedarf, z.B. in der besonders intensiven Zeit einer Gerichtsbegleitung oder bei einer Wohnungssuche.
Drei Frauen begleiten inzwischen regelmäßig drei Klientinnen ca. einmal wöchentlich. Den sehr unterschiedlichen Bedürfnissen der Klientinnen entsprechend wurden Ziele der Zusammenarbeit vereinbart. In dem einen Fall waren dies Kreativangebote, wie das Stricken lernen eines Schals, Schwimmen gehen, Bibliotheksbesuche, gemeinsames Kochen, sowie Unternehmungen wie Kino- und Konzertbesuche und eine Fahrt nach Hamburg. Im zweiten Fall ging es um Unterstützung bei der Kinderbetreuung und Erziehung, damit die Mutter Zeit für Ausbildungs- und Arbeitsperspektiven entwickeln kann. Im dritten Fall einer erst seit kurzem von BBMeZ betreuten Frau musste das Haushalten und Einkaufen mit wenig Geld und die Orientierung in einer Großstadt wie Bremen, z.B. durch Straßenbahn fahren, geübt werden. Durch die Gespräche wurde natürlich auch in jedem Fall das Erlernen und Festigen der deutschen Sprache gefördert.
Wöchentlich fanden Sprechzeiten statt, in denen die Arbeit supervidiert wurde. Bei den Gesprächen ging es neben der Planung und gegebenenfalls Veränderung der Unterstützungsangebote u. a. darum, bei der Hilfe für die Klientinnen eigene Grenzen zu erkennen und diese nicht zu überschreiten, auch mal Nein sagen zu können und auf die Einhaltung von Verabredungen hinzuarbeiten. Mit den Klientinnen musste geklärt werden, dass die freiwillig engagierten Frauen nicht für die fachlichen Auskünfte zuständig sind, aber auch nicht die Rolle der Freundin und Vertrauten haben.
Für die zukünftige Arbeit mit den Ehrenamtlichen wurden zu folgenden Themen Schulungen bzw. Fortbildungsveranstaltungen inhaltlich geplant: Supervision, Rechtliche Rahmenbedingungen für Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution, Hintergrundinformationen zur wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Situation von Frauen in den Herkunftsländern "Wie gehe ich mit traumatisierten Klientinnen um?"
In einer kleinen Adventsfeier zu dem Thema „Fremd in Deutschland – Weihnachten in einem fremden Land“ konnten sich die freiwillig Engagierten kennen lernen und Erfahrungen zum Thema austauschen. Ein Besuch des Überseemuseums zum Thema „Migration“ ist für Februar geplant, denn die Arbeit der Ehrenamtlichen soll fortgeführt werden.
Ohne Übertreibung lässt sich feststellen, dass die Klientinnen insbesondere durch die intensive Betreuung der Freiwillig Sozial Engagierten die belastende Zeit ihres Aufenthalts als Opferzeuginnen in Bremen bisher gut durchgestanden haben. Zu diesem Ergebnis hat die Förderung der Stiftung die schwelle wesentlich beigetragen.
Inga Peter (BBMeZ)
Der Internationale Bremer Friedenspreis der Stiftung die schwelle wurde in der Kategorie "Beispielhafte Initiativen" 2009 an die beiden bulgarischen Organisationen Animus und Pulse-Foundation vergeben. Sie arbeiten gegen Zwangsprostitution, Frauenhandel und in der Prävention und unterstützen zurückgekehrte Frauen. Viele Zwangsprostituierte in Bremen kommen aus Bulgarien, weshalb die Bremer BBMeZ eng mit den bulgarischen Organisationen zusammenarbeitet. So war der Friedenspreis Anlass für die Verknüpfung mit BBMeZ.



