Mainelin / Douala / Kamerun

Viele junge Menschen in Kamerun haben kaum berufliche Perspektiven. Die Arbeitslosigkeit ist groß, Hoffnungslosigkeit und Frustration breiten sich aus. Dem setzt der Ausbildungsverein MAINELIN in Douala großes Engagement entgegen. Er bietet arbeitslosen Jugendlichen Lehrgänge, Kurse und Ausbildungen in Bau- und Baunebengewerken: Maurer, Fliesenleger, Klempner, Maler, Elektriker/ Elektroinstallation, Tischler, Zimmerer, Dachdecker. Für ältere Schülerinnen und Schüler werden in den Ferien Informatikkurse angeboten. Speziell für Mädchen und junge Frauen wurde ein Schneideratelier und Friseursalon zur Ausbildung eingerichtet und seit 2008 eine enge Kooperation mit einem anderen Verein begonnen, der ganz auf Aktivitäten mit jungen Frauen spezialisiert ist.
Auf Baustellen, im Atelier und im Unterricht bekommen sie ein Rüstzeug, das ihre Chancen erhöht, auf dem Arbeitsmarkt Stellen zu finden oder im informellen Sektor selbständig für die eigene Existenz zu sorgen.
Der Sitz des Vereins ist in einem großen Zuzugsviertel in Douala, der Wirtschaftsmetropole des Landes und gleichzeitig Magnet für Menschen, die auf dem Land zu wenig Chancen für sich sehen. Seine Bauaktivitäten finden aber auch in anderen Städten Kameruns statt.
"Ausbildung" in Kamerun ist nicht geregelt und genormt. Üblicherweise haben theoretische und praktische Ausbildung dort nichts miteinander zu tun. Jemand besucht eine technische Schule – und ist ausgebildet, ohne je Handwerkszeug benutzt zu haben. Ein anderer arbeitet in einer Werkstatt mit – zwei Wochen oder zwei Jahre – und ist ausgebildet, ohne die geringste theoretische Grundlage mitbekommen zu haben. In der Regel aber schlagen sich Jugendliche, perspektivlos mit Gelegenheitsjobs durch, die sie oft schnell wegen mangelnder Qualifikation wieder verlieren.

Vor diesem Hintergrund ergriff ein junger Mann, Jules Blaise Tchuenche Boum im Jahr 2000 eine Initiative. Nach einem Elektrotechnikstudium in einem Universitätsinstitut in Bandjoun bei Bafoussam war er selbst mit dem Problem der Arbeitslosigkeit und des „Sich-Durchschlagens“ in Kleinjobs konfrontiert. Er gewann aus seinem sozialen und kirchlichen Umfeld einige weitere engagierte junge Leute, die in verschiedenen Techniken und Handwerken ausgebildet waren und von Gelegenheitsarbeiten lebten für seine Idee. Sie wollten einen Verein aufbauen, der zugleich ein gewerblicher Betrieb ist und Ausbildung für Jugendliche durchführt. Anfang 2001 bekam er für MAINELIN die staatliche Anerkennung als gemeinnützigen Verein.

Oberstes Kriterium ihrer Arbeit ist es, die praktische und theoretische Ausbildung eng miteinander zu verbinden. Für die praktische Ausbildung – und die eigene Erwerbsarbeit – werden Bau- und Reparaturaufträge akquiriert. Dabei bewegen sie sich auf dem freien Markt, aber auch im Bereich von Stadtentwicklungsprojekten, von Selbsthilfegruppen sowie der Kirche.
Die bessere Auftragssituation in Douala veranlasste sie im Jahr 2003 ihren Hauptsitz von Bafoussam dorthin zu verlegen. Anfänglich in Mieträumen untergebracht, haben sie inzwischen mit Unterstützung der schwelle ein kleines eigenes Betriebsgebäude mit Büro, Atelier, Lager und seit einer Gebäudeaufstockung 2008 auch Unterrichtsräumen. Dort werden praxisbegleitend die für den jeweiligen Ausbildungszweig entsprechenden theoretischen Elemente unterrichtet. Zum Teil sind es Vereinsmitglieder, die den Unterricht abhalten, anderes wird auf Honorarbasis von Fachlehrern unterrichtet.

Ausbildungsdauer und -ziel sind entsprechend der dortigen Voraussetzungen und der Interessen der Teilnehmer flexibel. So gibt es projektbezogene Kurzausbildungen, die eher als Praktikum mit integriertem Mehrtageseminar bezeichnet werden können. Manche Jugendliche bringen mehr Energie zunächst nicht auf – und manche Baustellen ermöglichen mehr Praxis auch nicht.
Dann gibt es, speziell für ältere Schülerinnen und Schüler, Ausbildungskurse in den Ferien, die in Kamerun drei Monate im Sommer und je zwei Wochen im Winter und über Ostern sind. Sie werden traditionell gern für Ferienjobs genutzt und da hat ein „qualifizierender Job" einige Attraktivität. Und schließlich gibt es auch längerfristige, mehrjährige Ausbildungen, die allerdings wegen der unsicheren Auftragslage und des permanenten Geldmangels noch die große Ausnahme bilden
Eine Ausbildung wie sie der Verein bietet, ist eine große Chance für Jugendliche, nicht entmutigt auf der Straße zu bleiben oder sich mit Kleinkriminalität durchs Leben schlagen zu müssen. Eine solche Ausbildung hilft ihnen, leichter eine Anstellung zu finden, oder aber auch eigenständig Aufträge einzuwerben. Das schafft die Basis einer legalen Existenzsicherung und die Möglichkeit, der Armut zu entkommen. In einem Land wie Kamerun hat das unschätzbaren Wert.



